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Quer durch den Schwarzwald: Meine Erfahrung und Tipps fĂŒr Fernwanderwege

Quer durch den Schwarzwald: Meine Erfahrung und Tipps fĂŒr Fernwanderwege

20 Jul, 2022
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Der Seerhein in Konstanz mit den Alpen

Es war Ende MĂ€rz 2020. Eigentlich wollte ich nach Bonn, um alte Bekannte zu besuchen. Doch dann kam die Coronapandemie und ich musste meine PlĂ€ne aufgeben. Anderen Freunden ging es genauso und so strandeten wir alle plötzlich in Freiburg, in der Heimat. Als eine Freundin und mich das Fernweh dann wieder packte ĂŒberlegten wir, was wir da denn machen könnten.

Wir wollten angesichts der Pandemie nicht das Land verlassen. Gleichzeitig wollten wir jedoch auch etwas Neues erleben und aus unserem Alltag rauskommen. Da kam uns der Gedanke einen gemeinsamen Freund in Konstanz zu besuchen. Da wir aber ein Abenteuer wollten, entschieden wir uns, nach Konstanz zu laufen. Wir begannen also, nach Wanderwegen zu suchen. Und, wie es der Zufall wollte, waren wir nicht die ersten mit der Idee von Freiburg aus zum Bodensee zu laufen.

Der Schwarzwaldverein pflegt etliche Fernwanderwege im Schwarzwald. Zu den Bekanntesten und schönsten gehören der Westweg, der Schluchtensteig und auch der Querweg. Der Querweg verbindet Freiburg und die Rheinebene mit Konstanz und dem Bodensee. Der Weg fĂŒhrt durch das Dreisamtal, ĂŒber dem Höllental am Titisee vorbei, durch die Wutachschlucht, durch den Hegau und ĂŒber den BodanrĂŒck.

Dem Schwarzwaldverein zufolge benötigt man 7 bis 10 Tage fĂŒr den 180 Kilometer langen Wanderweg. Meiner Erfahrung nach kann man sich aber auch gut mehr Zeit nehmen.

 

Einiges ĂŒber die Strecke

Blick vom Kanonenplatz auf das Freiburger MĂŒnster und den Kaiserstuhl

Der Querweg ist einer der beliebtesten đŸ„Ÿ Fernwanderwege des Schwarzwalds. Er ist sehr angenehm zu laufen, da er nicht so viele Höhenmeter hat. Vom Titisee bis zum Hegau ist man fast durchgehend auf dem gleichen Niveau. Man kommt auch tĂ€glich durch Ortschaften (Ausnahme Wutachschlucht), heißt man kann jeden Tag sein Wasser auffĂŒllen, einkaufen gehen oder in einer GaststĂ€tte einkehren.

Der offizielle Startpunkt des Querwegs ist das Schwabentor in Freiburg. Hier geht es erst einmal direkt recht steil hoch zum Kanonenplatz, dem wohl besten Aussichtspunkt der Stadt. Anschließend neigt sich die Steigung und man bekommt direkt ein Bild von der Natur des Schwarzwalds. Ein paar Kilometer spĂ€ter, kommt man dann in das obere Dreisamtal und Buchenbach. Hier ist ein guter Ort, um sich ein Nachtlager zu suchen. Entweder im Ort oder dem Querweg folgend nach dem Ort, am Pfaffendobel, wenn man Wildcampen möchte.

Der Pfaffendobel ist auch der erste wirklich lange und anstrengende Anstieg des Querwegs – 500 Höhenmeter auf 5 Kilometern. Oben angekommen kann man die Aussicht genießen, bevor es weiter Richtung Titisee geht. Leider ist die ganze Gegend um den Titisee sehr touristisch und deshalb nicht wirklich ein Naturerlebnis. Doch zum GlĂŒck kommt bald nach dem Titisee das erste đŸ„Ÿ Highlight des Querwegs: die Wutachschlucht.

 

die Wutachschlucht

Die Wutachschlucht strotzt vor wildem GrĂŒn – hier vergisst man schnell, dass es nur ein paar hundert Meter zu den nĂ€chsten Dörfern ist

Die Wutachschlucht zieht sich fĂŒr etwas ĂŒber 30 Kilometer gen Osten. Sie ist der erste Wegabschnitt, an dem man endlich keine Autos mehr hört. In der Mitte gibt es mit der SchattenmĂŒhle auch eine perfekt gelegene Unterkunft mit warmer KĂŒche. Angesichts der Enge der Schlucht und der steilen ZuflĂŒsse sollte man hier seiner selbst willen nicht Wildcampen.

Die Wutachschlucht ist wahrlich verwunschen und man kann gar nicht anders als alle 10 Minuten stehen zu bleiben, um die Natur zu bewundern. Hier kann man sich wirklich gehen lassen und seine Ruhe finden. Will man nicht den ganzen Querweg laufen, sollte man auf keinen Fall die Wutachschlucht auslassen! Im Gegenteil: die Wutachschlucht ist meines Erachtens der perfekte Einstieg, wenn man nur eine Teilstrecke laufen möchte.

Zwischen Wutachschlucht und Hegau, befindet man sich fĂŒr ein paar Kilometer im Niemandsland, mit kleinen, gefĂŒhlt-verlassenen Dörfern und einsamen WĂ€ldern. Und wĂ€hrend man die Wutachschlucht vermisst, bemerkt man gar nicht wie man dem Hegau immer nĂ€her kommt, bis er sich plötzlich, wie aus dem Nichts vor einem öffnet.

đŸ„Ÿ Der Hegau ist eine alte Vulkanlandschaft, die gleichzeitig an einen ĂŒberdimensionierten Golfplatz erinnert – spitze Berge und sanfte, grĂŒne Wiesen soweit das Auge reicht. Bei gutem Wetter hat man auch einen phĂ€nomenalen Alpenblick! Leider sind diese spitzen, alten Vulkane aber sehr steil und anstrengend. Doch ist es den Aufstieg jedes Mal Wert. Auf jedem Hegaugipfel warten ein herrlicher Ausblick und bezaubernde Burgruinen.

Meine Highlights im Hegau waren der Steinbruch auf dem Hohenstoffeln und auf dem MĂ€gdeberg zu ĂŒbernachten. Am Steinbruch fĂŒhrt der Querweg aber nur vorbei. Es lohnt sich also, darauf zu achten, den Steinbruch nicht aus Versehen links (in diesem Fall rechts) liegen zu lassen.

Der Hegau endet mit dem Abstieg nach Singen, dem definitiv langweiligsten Wegabschnitt, und fĂŒhrt dann auf den BodanrĂŒck. Der BodanrĂŒck ist eine Landzunge, die sich in den Bodensee streckt, und an dessen Ende Konstanz liegt. Die Landschaft hier ist wesentlich ruhiger als die wilde Wutachschlucht und der verwinkelte Hegau. Der Querweg lĂ€uft hier gemĂŒtlich aus und man kann sich schon mal an den Seeblick gewöhnen der einen in Konstanz erwartet.

Das Ende des Querwegs in Konstanz erreicht man, wenn man den Rhein ĂŒberquert. Das offizielle Ende scheint ein bisschen wahllos gewĂ€hlt. LĂ€uft man jedoch ein paar hundert Meter weiter kommt man zum KonzilgebĂ€ude und dem FĂ€hrhafen. Und wenn man dann an der Uferpromenade steht und der Bodensee vor einem liegt, spĂŒrt man, dass man gerade eine ordentliche Reise beendet hat.

 

Hier noch ein kleiner Tipp: in der RĂ€uberburg und am blauen Stein gibt es Geocaching Boxen. Wenn man sie findet, kann man lesen was andere Wanderer zu sagen haben und seine eigenen Weisheiten teilen.

 

Vorbereitungen fĂŒr einen Fernwanderweg

Ein kleiner Überblick ĂŒber unser GepĂ€ck


Die Vorbereitungen, die man fĂŒr den Querweg treffen muss, sind die gleichen wie fĂŒr alle nichtalpinen Fernwanderwege. Da ich gerne draußen schlafe, durften Biwak und Schlafsack nicht fehlen. Da das Wetter im Schwarzwald jedoch recht feucht sein kann, ist ein Zelt ein Muss – wenn man draußen schlafen will. In den etwa 10 Tagen, die man auf dem Querweg unterwegs ist, wird es nĂ€mlich mindestens einmal regnen.

Genauso wichtig fĂŒrs draußen schlafen: eine Lichtquelle. Es gibt nĂ€mlich wenig das deprimierender ist, als um 8 Uhr ins Bett zu mĂŒssen, weil es dunkel geworden ist und man nichts mehr tun kann. Es lohnt sich also auf jeden Fall eine Lichtquelle mitzunehmen, um selbst entscheiden zu können wann man schlafen geht.

Es ist jedoch nicht notwendig draußen zu schlafen. Im Schwarzwald und im Hegau gibt es viele UnterkĂŒnfte. Deshalb noch ein paar allgemeine Tipps zum Fernwandern. ZunĂ€chst sei erwĂ€hnt, dass gute Schuhe sehr wichtig sind. Es gibt immer Stellen, die schlammig und rutschig sind. Mit einem schweren Rucksack kann man sich auch nicht so gut abfangen wie sonst. Ein Wanderstock kann da auch von Hilfe sein.

DarĂŒber hinaus empfiehlt es sich, einen GPS-Tracker mit den Koordinaten des Wegs dabei zu haben. Auf der Webseite des Schwarzwaldvereins kann man die GPX-Daten des Querwegs runterladen. Als ich den Wanderweg gelaufen bin gab es jedoch an ein paar Stellen Änderungen der WegfĂŒhrung, die nicht in den GPX-Daten enthalten waren. Der Querweg ist jedoch sehr gut beschildert. Trotzdem ist ein GPS-Tracker eine gute Hilfe. Man wird nĂ€mlich mindestens einmal vom Weg abkommen.

Ein absolutes Muss, fĂŒr mich zumindest, sind kleine Snacks. SpĂ€testens im Hegau wird man sich nĂ€mlich in der Situation finden, dass man eine Pause braucht, aber noch 1, 2 Kilometer zu einem Zwischenziel laufen will. So etwas wie MĂŒsli- oder Proteinriegel, EnergiebĂ€llchen oder (mein Geheimtipp) Halva lösen dieses Problem.

 

Wann ist die beste Zeit, um den Querweg zu laufen?

Hohenhewen mit dem Hegau


Meines Erachtens ist die beste Zeit, um den Querweg zu laufen đŸ„Ÿ Anfang oder Mitte April. Dies hat zwei GrĂŒnde. Erstens ist es zu dieser Jahreszeit noch nicht zu heiß. 16 bis 18 Grad sind fĂŒr mich die besten Wandertemperaturen. Warm genug, dass man nicht friert und kĂŒhl genug, dass man nicht zu sehr schwitzt. Zwischen Juni und August muss man im Schwarzwald mit 25 und mehr Grad rechnen. Das ist meines Erachtens zu viel, wenn man 15 Kilo GepĂ€ck dabeihat.

Der zweite Grund, warum Anfang oder Mitte April die beste Zeit ist, um den Querweg zu wandern ist der FrĂŒhling. Zu dieser Zeit fangen nĂ€mlich die ObstbĂ€ume an zu blĂŒhen. Diesen begegnet man im Schwarzwald zwar nicht so hĂ€ufig, dafĂŒr aber im Hegau ĂŒberall. WĂ€hrend der Kirsch- oder ApfelblĂŒte auf dem Gipfel eines Hegauvulkans zu stehen und die weiße Landschaft zu bestaunen ist wohl meine Lieblingserinnerung an den Querweg.

 

Überlegst du dir den Querweg oder einen anderen Fernwanderweg zu laufen, bist dir aber nicht sicher, ob du genug Ausdauervermögen hast? Dann lass mich dir folgendes sagen: Trau dich. Beim Wandern geht es auch darum sein eigenes Tempo zu finden. An unserem zweiten Tag sind wir 5 Kilometer gelaufen und an anderen Tagen noch weniger. Das waren mit die besten Tage. Das großartige am Fernwandern ist, dass man die Konsequenzen seines Handelns und Entscheidens allein trĂ€gt. Mit der Zeit lĂ€uft man sich ein und findet seinen eigenen Rhythmus.

Und wenn du nach ein paar Tagen bemerkst, dass du wirklich keine Lust hast den ganzen Weg zu laufen, auch kein Problem. Auf dem Querweg ist man nie mehr als 5 oder 10 Kilometer vom nÀchsten Bahnhof mit Direktverbindung nach Freiburg oder Konstanz entfernt.

 


 

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